Afrika hat uns schon immer fasziniert – das Lachen der Menschen, die freundliche und etwas gemütlichere Art, die Vielfalt des Kontinents und natürlich die Tiere. Auch hier auf den Seychellen ist der afrikanische Vibe zu spüren, und vielleicht sind wir genau deshalb noch hier. Nach einem Jahr müssen wir hier auf den Seychellen einmal ausreisen und da Franz im Februar nicht mit in Deutschland war, suchen wir alle nach einem geeigneten Reiseziel. Da es günstige Flüge nach Johannesburg gibt, ist schnell klar, dass wir Lion die Tiere Afrikas zeigen möchten.
Während wir in den letzten Jahren viele verschiedene Länder Afrikas bereist haben und auch für einige Wochen allein durch Uganda gefahren sind, sind wir mit Kind doch etwas vorsichtiger geworden. Wir können uns wohl noch zu gut an die Stiche der Tsetsefliege erinnern, die nicht nur schmerzhaft waren, sondern auch einige Krankheiten übertragen könnten. Wir wollten das vermeiden und entschieden uns am Ende für Unterkünfte nordöstlich von Johannesburg, die sich im malariafreien Teil von Südafrika befinden. Unser erster Halt war die Sondela Lodge, nur 1 ½ Stunden auf der Schnellstraße von Johannesburg entfernt. Neben einem Kinderparadies mit Spielplätzen, Minigolf, Kettcars, Kinderkarussell und Kletterturm konnte man auf dem riesigen Gelände auch selbst mit dem Auto oder Fahrrad fahren und verschiedene Antilopenarten, Zebras, Warzenschweine und mit etwas Glück auch Giraffen bestaunen. Es war der perfekte Einstieg in die Tierwelt Südafrikas, denn der Fokus lag in der Sondela Lodge auf den verschiedenen Antilopenarten, die in den großen Parks auf der Suche nach den Big 5 oft etwas untergehen. Die Antilopen kamen ganz nah an unsere Unterkunft. Jeden Tag standen sie einfach auf unserer Terrasse, und Lion hatte so viel Spaß, frische Blätter zu sammeln und die Antilopen aus der Hand zu füttern. Am Abend fuhren wir immer wieder kleine Game Drives durch den Park, und Lion verstand schnell, dass es Zufall ist, welchem Tier man hier begegnet. Wir versuchten, die Giraffen aus nächster Nähe zu sehen, doch erst am dritten und letzten Tag hatten wir Glück, und eine Giraffe mit Baby stand direkt vor uns. Am Abend grillten wir T-Bone-Steaks und genossen die Tage in Südafrika. Doch der Unterschied zum Leben auf dem Meer war enorm. Während wir auf den Seychellen eine Luftfeuchtigkeit von circa 80 % haben, waren es in Südafrika nur rund 18 %. Das letzte Mal hatte es im März geregnet. Alles war staubtrocken, der rote Sand von den Straßen wurde durch den Wind aufgewirbelt, und Franz hatte Probleme, aus den Augen zu schauen. Nach über einem Jahr hatte man fast vergessen, wie sich Heuschnupfen anfühlt und wie die Lebensqualität steigt, wenn man von allem verschont bleibt. Doch zum Glück sind die Apotheken gut ausgestattet, und das zweite Heuschnupfenmedikament schlug bei Franz an.
Nach drei Tagen verließen wir die Sondela Lodge und wollten Lion nun auch die Big 5 zeigen. Wir fuhren etwa 200 Kilometer entfernt in den Madikwe-Nationalpark. Es ist ein privater Game-Drive-Park mit 70.000 Quadratkilometern. Zunächst war die Straße noch gut, und wir kamen schnell vorwärts. Doch auf einmal lag eine rote, sandige Gravelroute vor uns. 60 km to go 😅 – typisch Afrika. Dann brauchen wir eben etwas länger. Lion wurde zwar langsam sehr ungeduldig in seinem Kindersitz, aber bei 30 km/h auf einer einsamen Straße kann er genauso gut bei uns vorne sitzen, und das gefiel ihm auch wesentlich besser!
Um 16 Uhr kamen wir in der Lodge an – leider zu spät für den Abend-Game-Drive. Doch das war vollkommen okay, wir waren lange im Auto gesessen, und Lion wollte ohnehin erst einmal herumlaufen. Wir hatten uns für die Madikwe River Lodge entschieden, da dort spezielle Kinder-Game-Drives angeboten werden. Normalerweise finden die Game Drives für drei Stunden am frühen Morgen und am Abend statt, bei denen jedoch in fast allen Lodges erst Kinder ab sechs Jahren erlaubt sind. Die Madikwe River Lodge bietet von 9 bis 11 Uhr zusätzliche Game Drives für Kinder an – so war es zumindest geplant. Da wir jedoch die einzigen Gäste in der Unterkunft waren, konnten wir mit Lion an den Safaris am Morgen und Abend teilnehmen, ohne andere Erwachsene zu stören. Wir waren schon alle ganz aufgeregt, was der erste Morgen alles bringen würde.
Wir starteten früh um sechs Uhr. Es war kalt in Madikwe, die Temperatur fiel in der Nacht auf fünf Grad, und wir mummelten uns in unsere Jacken ein. Für Lion packten wir Snacks, Getränke und eine Wärmflasche ein. Er kuschelte sich in eine Decke, und wir waren ganz gespannt, was wir gleich sehen würden. Die Sonne ging hinter dem offenen Jeep auf, die Luft war frisch, und es war einfach herrlich hier draußen! Es dauerte nicht lange, bis die ersten Elefanten neben unserem Jeep auftauchten, und Lion war hin und weg von den Tieren. Er hatte nicht damit gerechnet, dass der Rüssel der Tiere so lang ist. Gespannt schaute er ins Gebüsch und versuchte, Tiere zu finden. Es dauerte nicht lange, bis die ersten Zebras und weißen Nashörner neben unserem Jeep standen, und dann hatte unser Guide auch noch eine Überraschung für uns. Er brachte uns zu einer toten Giraffe. Sie war gerade dabei, ein Junges auf die Welt zu bringen, als sie von einem Rudel Löwen angegriffen wurde. Sie und ihr Baby verloren vor einem Tag den Kampf. Immer noch lagen die Löwen vollgefressen neben dem toten Tier, und Lion konnte die Raubkatzen beobachten. Wir waren glücklich, die Raubtiere so nahe zu sehen, und hatten nicht damit gerechnet, dass zwei Löwenmännchen hinter uns auftauchen würden. Sie liefen majestätisch direkt neben unserem Jeep vorbei. Lion stand im Jeep, und unser Guide gab plötzlich die Anweisung, still zu sitzen. Löwen sind farbenblind, und solange man ruhig im Jeep sitzt, nehmen sie das Fahrzeug nur als ein großes Ganzes wahr. Sie waren aber auch nicht an uns interessiert, sondern verfolgten ein anderes Löwenmännchen, das in ihr Revier eingedrungen war. Sie nahmen die Verfolgung auf, jagten das andere Tier, und wir donnerten mit dem Jeep hinterher. Noch eine ganze Weile folgten wir den Löwen und ließen sie dann zurück, um den Weg zur Lodge und Richtung Frühstück einzuschlagen.
























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