Oktober 2024
Zu den Outer Islands der Seychellen zu segeln, stand schon lange auf unserer To-Do-Liste. Allerdings gibt es nur zwei mögliche Zeitfenster, um mehrere Inseln gleichzeitig erkunden zu können: den Monsunwechsel im Oktober/November und im März/April. Wenn das Meer ruhig ist und die Sicht unter Wasser perfekt, ist dies auch die beste Zeit für die Outer Islands.
Im ersten Jahr waren wir ausschließlich in den Inner Islands unterwegs. Während des ersten Monsunwechsels war die Lage bezüglich Piraterie noch unklar. Die Küstenwache hatte ein Boot aus Somalia, einige hundert Seemeilen nördlich von Denis, aufgespürt. Aus diesem Grund wurden zeitweise keine Permits für die Outer Islands vergeben. Im März/April des darauffolgenden Jahres war das Wetter sehr unbeständig und regnerisch. Genau deshalb stand nun unser erster längerer Segeltrip bevor – wir wollten die Outer Islands endlich erkunden.
Ende September starteten wir mit dem Ende des Südostmonsuns. Zwar wehte der Wind immer noch mit fast 20 Knoten, doch der Winkel war perfekt, um Richtung Süden zu segeln. Auch das Wetter für die kommenden Tage sah vielversprechend aus. Am frühen Nachmittag setzten wir die Segel zu der etwa 120 Seemeilen entfernten Insel Desroches. Wir kalkulierten 24 Stunden bei einer Geschwindigkeit von 5 Knoten. Doch der Wind war stark, die Wellen schoben uns nach vorne, und wir rauschten mit Vollbesegelung und einem Schnitt von 7 Knoten durch Tag und Nacht, sodass wir bereits kurz nach Sonnenaufgang in Desroches ankerten.
Auf der Insel gibt es ein Luxushotel – das Four Seasons – und Hütten für etwa 200 Angestellte des Hotels sowie der IDC, die sich um die Insel kümmern. Für die ersten zwei Tage kauften wir ein Permit, das es uns erlaubte, die Insel zu betreten, alle Trails zu erkunden und auch den Hotelbereich zu besichtigen. Es gab wunderschöne, schattige Fahrradwege für Lion, und auch das Hotel sowie der Leuchtturm waren definitiv einen Besuch wert. An den übrigen Tagen ohne Permit erkundeten wir die Schnorchelspots, denn die Strände sind hier, wie überall auf den Seychellen, öffentlich.
Am Aquarium Beach konnten wir unzählige Schildkröten aus nächster Nähe beobachten. Vor der Beachbar weiter südlich schwamm fast jeden Abend eine Gruppe riesiger Eaglerays vorbei – wunderschön und faszinierend. Die Strände sind hier von Palmen gesäumt, der Sand ist weiß und fein, und das Wasser glasklar – so stellt man sich das Paradies vor! 💙
Nach zehn Tagen wollten wir eigentlich weiter nach Alphonse segeln, denn auch diese Insel stand schon lange auf unserer Liste. Die Windrichtung war günstig, und kurz nach dem Frühstück legten wir ab. Bis nach Alphonse waren es erneut etwa 24 Stunden Fahrt. Wir hatten schon knapp die Hälfte der Strecke geschafft, als plötzlich der Windmesser ausfiel und auch der Autopilot kurzfristig kein Signal mehr gab. Zwar können wir mittlerweile die Windstärke einigermaßen gut einschätzen, trotzdem war schlechtes Wetter für Alphonse gemeldet – wir wollten dort abwettern. Ohne Windmesser und Autopilot erschien uns das nicht sicher genug. Schweren Herzens beschlossen wir, umzudrehen und nach Mahé zurückzufahren.
Der Rückweg war länger als gedacht: Der Winkel nach Mahé war nicht optimal, und insgesamt benötigten wir fast zwei Nächte und zwei Tage. Klingt viel? War es auch – zumindest für die Strecke. Durch den ungünstigen Windwinkel waren wir langsamer, die Strömung arbeitete gegen uns, und außerdem verloren wir über fünf Stunden am Dropoff 🙈.
Der Dropoff ist die Stelle, an der das Plateau der Seychellen abrupt von etwa 50 Metern auf über 1000 Meter abfällt – ein perfekter Ort zum Angeln, denn hier versammeln sich die kleinen Fische, die mittleren und schließlich auch die großen. Wir hatten zwar nicht die Angelausrüstung für diese riesigen Fische, wollten es aber trotzdem versuchen. Wir beobachteten Vögel, springende Fisch – dann lief die Angel, und auf einmal hörten wir das typische Geräusch: SSSSSSZZZZSS – etwas Großes hatte angebissen.
Franz versuchte, den Fisch einzuholen, zunächst mit wenig Erfolg. Immer wieder gab er nach, ließ den Fisch abtauchen und Rennen, in der Hoffnung, dass er so müde wird. Die Stunden vergingen – erste Stunde, zweite, dritte. Franz kämpfte unermüdlich, ließ immer wieder Leine nach. Die Sonne ging unter, und nach fast fünf Stunden hatte Franz den Fisch fast aus dem Wasser gezogen. Nur Thunfische machen diese Runs – es muss etwas wirklich großes sein! Wir starrten gespannt auf die Wasseroberfläche – bald würden wir ihn sehen können. Der Fisch schien langsam an Kraft zu verlieren – dachten wir zumindest – denn es folgte der nächste Run- und auf einmal brach unsere Angelroute. Oh nein! 🙈 Wir holten die Handlinerolle, versuchten, die Leine dort aufzuwickeln, aber der Thunfisch war immer noch zu stark – kurz vor dem Ziel verlor er den Fisch endgültig. 🙈 Dabei hätten wir ihn sooo gerne wenigstens einmal gesehen!
Franz hat auf jeden Fall den Beschluss gefasst nie wieder am Dropoff zu angeln – wirklich? Wir sind gespannt… ☺️
Etwas niedergeschlagen über den ausgefallenen Windmesser und den verlorenen Fisch, kamen wir schließlich in Mahé an und fielen erschöpft ins Bett. Es gibt immer eine zweite Chance: Im März/April ist es wieder soweit. Dann fahren wir erneut zu den Outer Islands – und diesmal schaffen wir es auch bis Alphonse!🏝️
Franz, Nadine und Lion
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