Mai – Oktober 2025
Jedes Jahr von Mai bis September versammeln sich zahlreiche Eignerboote hier auf den Seychellen. Viele Langzeitsegler umrunden die Welt mit ihren Booten und bleiben – anders als wir – nicht dauerhaft an einem Ort 😉. Wie lange eine Weltumsegelung dauert, ist dabei ganz unterschiedlich: Manche schaffen sie in nur drei Jahren, andere haben nach zwanzig Jahren noch nicht einmal die Erde umrundet. Sie lassen sich bewusst Zeit, um Länder, Kulturen und Menschen intensiv kennenzulernen. Die meisten Bootseigner benötigen im Durchschnitt aber fünf bis acht Jahre.
Wer auf Weltumsegelung ist, reist mit dem Wetter, dem Wind und den Jahreszeiten. Nicht überall kann man – so wie auf den Seychellen – problemlos ein ganzes Jahr bleiben. Ein gutes Zeitfenster, um von Asien auf die Malediven zu segeln, ist beispielsweise Januar oder Februar. Dort erhält man ein dreimonatiges Visum, weshalb ab Mai viele private Segler weiter zu den Seychellen ziehen. Von hier aus geht es dann meist im August oder September weiter nach Madagaskar und schließlich nach Südafrika.
Diese Monate sind für uns eine ganz besondere Zeit: Wir sind umgeben von vielen Segelfamilien und Lion hat viele Freunde um sich. Die Gemeinschaft unter Seglern ist einzigartig. Durch dieses besondere Lebensmodell fühlt man sich sofort miteinander verbunden. Man hilft sich gegenseitig, tauscht Erfahrungen aus, erzählt Privates – und oft fühlt es sich an, als würde man sich schon ewig kennen. Man lacht zusammen, spielt Fussball, Frisbee, trifft . sich zum Sundowner, Girlsnights, macht Malkurse und die Kinder spielen tagein, tagaus miteinander.
Diese Art von Freundschaft ist etwas ganz Besonderes. Sollten wir eines Tages wieder in Deutschland leben, werden wir diese Art und Weise, dieses so schnelle connecten sehr vermissen – denn so intensiv haben wir Gemeinschaft zuvor nie erlebt. Innerhalb kürzester Zeit verbringt man fast jeden Tag miteinander, kennt sich schnell sehr gut und versucht, die Stärken jedes Einzelnen einzubringen.
In diesem Jahr kamen etwa 15 Eignerboote zu den Seychellen, davon sechs mit Kindern. Wir haben unglaublich inspirierende Familien kennengelernt. SV Rollingstones mit ihren drei Jungs Lachlan, Baylen und Charlie waren immer voller Energie und für jeden Spaß zu haben – genauso wie ihr Buddyboot Happy Days – SailingwithSix mit Pip, Archie, Finn und Bella. Fast jeden Abend trafen sich die Kinder zum Beach Soccer oder Ultimate Frisbee, und auch Lion durfte mit seinen fünf Jahren immer mitspielen. Alle nahmen Rücksicht auf ihn, und er rannte voller Begeisterung dem Ball hinterher. Die Kids und auch die Eltern waren aktiv, kreativ, unglaublich nett und einfach wunderbar – Vielen Dank für die schöne, gemeinsame Zeit!
Plötzlich war auch der Skatepark voller Kinder: Es wurde geskatet, trainiert und sich gegenseitig motiviert. Auch der Beau Vallon verwandelte sich in einen großen Abenteuerspielplatz. Am kleinen Fluss in der Nähe des Mike Stores bauten die Kids Dämme, schleppten Steine, sammelten Äste und schaufelten Sand – teilweise waren es 14 Kinder von 6 verschiedenen Booten. Das Bodyboarden an der Anse Lazio wurde ebenso zum Lieblingszeitvertreib wie die abendlichen Fußball- und Frisbeespiele am Strand von Cote d’Or.
Auch SV Second Sun schloss sich der Gruppe immer wieder an. Anna (11) und Nat (14) waren oft dabei, und manchmal paddelte Anna schon früh am morgen mit ihrem Kajak zu uns, um mit Lion Lego zu spielen. Sie sortierte ihr Spielzeug aus und übergab Lion ihre Magnete, damit hat sie einen absoluten Volltreffer gelandet, denn Lion liebt seine Magna-tiles wie kaum ein anderes Spielzeug!
Nach einigen Wochen lernten wir dann auch SV Saltyfinch kennen – mit Finley (7) und Chloe (9). Lion verstand sich von Anfang an hervorragend mit ihnen. Gisela war mit den Kindern allein an Bord, da Tim, der Papa, auf einer Motoryacht arbeitete und nur alle sechs Wochen für sechs Wochen zurück zu Saltyfinch flog. Das Boot lag in der Marina und Gisela und die Kids hatte einen Mietwagen. Als wir am Beau Vallon ankerten, kamen sie regelmäßig zu den anderen Seglern. Die Freundschaft zwischen den Kids wuchs schnell, und bald waren sie unzertrennlich. Chloe konnte auch Deutsch, Finley verstand Deutsch, fühlte sich aber im Englischen sicherer – am Anfang versuchten sie es immer mal mit Deutsch, verfielen dann aber immer wieder ins Englische – für Lion ist das mittlerweile kein Problem mehr, denn spätestens nach der Saison mit anderen Cruisern ist seine Spielsprache mit anderen Kindern vorwiegend Englisch.
Ende September nahmen wir Gisela, Finley und Chloe für zehn Tage mit nach Bird und Denis Island. Wir hatten mit einem ruhigen, gemütlichen Trip gerechnet, da der Wind eigentlich shon abflachen sollte. Die Überfahrt nach Bird war unkompliziert, Wind und Welle kommen von hinten – die Rückfahrt ist dagegen oft eine Herausforderung. Nach etwa 13 Stunden erreichten wir die Insel und hatten Glück mit einem relativ ruhigen Ankerplatz. Die Sonne schien, und wir begannen, Bird Island zu erkunden.
Tausende Vögel kreisten über uns, die Lautstärke war enorm und zugleich faszinierend. Wir spazierten entlang der Kolonie im Norden, die Kinder buddelten im Sand, wir gingen baden und genossen den traumhaften Strand. Am Abend gab es Burger, und wir fielen müde ins Bett. In der Nacht wachte Lion plötzlich auf und musste sich übergeben, begleitet von Fieber. Nur 30 Minuten später passierte das Gleiche bei Finley. Den nächsten Tag rätselten wir, ob es an den Burgern lag, am Vogelkot in der Nähe der Kolonie, an den Federn, die die Kinder gesammelt hatten – an allen befinden sich die gleichen Bakterien und es wäre möglich – wir werden es aber wohl nicht mehr herausfinden. Sicher ist nur: Eine Waschmaschine an Bord hätten wir uns sehr gewünscht, denn Beide haben sich wirklich oft übergeben 😬. Zum Glück sank nach einem Tag das Fieber auch wieder und Beide erholten sich langsam.
Am darauffolgenden Tag ließen wir es ruhig angehen, bevor wir die Insel weiter erkundeten und auch die riffgeschützte Ostseite besuchten. Aus der ursprünglichen Idee, zurück nach Praslin zu motoren, wurde allerdings nichts. Das angekündigte Windloch entwickelte sich zu 30 Knoten Wind über mehrere Tage.
Wir nutzten schließlich ein kurzes Wetterfenster mit besserer Windrichtung, um nach Denis Island zu segeln. Der Wind hatte bereits zugenommen, der Seegang war aber noch akzeptabel. Mit einem spitzen Winkel von etwa 50 Grad verschafften wir uns eine bessere Ausgangsposition für die Rückfahrt nach Praslin. Zunächst fanden wir einen recht ruhigen Ankerplatz – doch das blieb nicht lange so. Der Wind wurde stärker, und der Schwell rollte von beiden Seiten um die Insel und direkt unter unserem Boot hindurch.
Tagsüber hielten wir uns auf der Insel auf. Die Kinder liebten es, in den Wellen zu spielen. Immer wieder sahen wir Haie aus dem Wasser springen, während sie Vögel jagten – sogenannte „jumping sharks“. Später erfuhren wir, dass dieses Phänomen auf Denis tatsächlich bekannt ist.
Der Ankerplatz wurde zunehmend ungemütlich: Fast ein Meter Welle rollte unter uns durch. Der Wetterbericht versprach Besserung, also entschieden wir uns nach drei Tagen zur Abfahrt. Kaum waren wir aus dem Windschatten der Insel, bliesen uns jedoch erneut 30 Knoten entgegen – der Wetterbericht war doch nicht ganz richtig. Die Wellen waren 2,5 bis 3 Meter hoch, der Windwinkel extrem steil. Wir waren schnell – fast sieben Knoten Fahrt –, doch jede größere Welle bremste uns abrupt aus. Das Boot krachte in die See, enormer Druck lag auf den Segeln, und die Geräuschkulisse war anstrengend. Schließlich mussten wir etwas abfallen, um die Schläge abzumildern.
Wir hatten uns bei der Ankunftszeit verschätzt und segelten bis tief in die Nacht. Erst um zwei Uhr morgens, nach etwa 13 Stunden, ließen wir den Anker fallen und Franz fiel erschöpft ins Bett.
Zwei weitere Tage verbrachten wir gemeinsam an der Anse Lazio, bevor wir Saltyfinch zurück zu ihrem Boot brachten. Die verbleibende Zeit nutzten wir intensiv: Die Kinder malten mit Straßenmalkreide im Skatepark, wir verbrachten Tage im Constance Ephelia, waren am Beau Vallon, in Eden am Pool und fuhren gemeinsam nach Saint Anne zum Surfen. Es war einfach wunderschön.
Eines der schwersten Dinge am Segelleben sind die Abschiede – von Familie, von Freunden und von Menschen, die einem in kürzester Zeit unglaublich ans Herz wachsen. Lion fiel der Abschied von SV Rollingstones und ihren Jungs besonders schwer, ebenso der von SailingwithSix. Wir versuchen, ihn darauf vorzubereiten, mit ihm über Gefühle zu sprechen, sie zuzulassen, aber auch Ablenkung zu schaffen.
Aber einfach wird auch der Abschied von Saltyfinch nicht werden – der letzte Tag wird uns für immer in Erinnerung bleiben. Es war der erste Tag, an dem wir Walhaie am Beau Vallon sehen konnten – und das auch noch gemeinsam. Wir schnorchelten mit diesen majestätischen Tieren, die immer wieder direkt vor uns auftauchten und lange in unserer Nähe blieben. Saltyfinch spottete die Walhaie von ihrer Yacht aus, wir kamen mit dem Dinghy dazu und halfen beim Schnorcheln mit dem größten Fisch der Welt. Auch für sie war es ein absolutes Highlight: Während ihrer fünfjährigen Weltumsegelung war es ihr erster Walhai-Encounter. Die Seychellen meinten es zum Abschied noch einmal besonders gut mit ihnen 😉.
Als Saltyfinch schließlich die Bucht verließ, winkten wir hinterher – und ein paar Tränen kullerten. Wir hatten viel Zeit miteinander verbracht und es war kein einfacher Abschied – aber es ist eine Freundschaft entstanden und wir möchten Lion auch zeigen, dass es Möglichkeiten gibt, Kontakt zu halten, auch wenn man nicht nebeneinander wohnt und solche Freundschaften ganz besonders sind und man kann sich auch wiedersehen – irgendwie, irgendwo und irgendwann! Der Flug nach Südafrika ist bereits gebucht – wir freuen uns auf euch, @Saltyfinch 🥰.













































































































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